Interview mit Christiane Lind

2. August 2013

Hallo!
Heute gibt es keine Buchvorstellung sondern ein Interview mit Christiane Lind. Christiane Lind schreibt Romane für Erwachsene. Im Oktober 2012 veröffentlichte sie aber unter dem Namen Laura Antoni ihr erstes Jugendbuch. Dieses heisst "Im Land der Kaffeblüten" und ich habe es von Anfang an geliebt. Es gehört zu meinen Top 10 Lieblingsbüchern. Irgendwie hat Christiane Lind Wind davon bekommen und hinterliess mir auf meinem Blog einen Kommentar. Ich antwortete ihr in einer E- Mail und bekam tatsächlich eine Antwort! Seitdem habe ich E- Mail-Kontakt mit Frau Lind und bekam sogar von ihr ihr neues Buch "Das Haus auf der Blumeninsel" geschenkt.
Vor kurzem durfte ich die Autorin interviewen und hier könnt ihr das Interview lesen:



1. Denken Sie sich zuerst den Namen einer Person und dann den Charakter oder umgekehrt aus?
Weil für mich Namen sehr wichtig sind – ich glaube fest daran, dass mein Leben ein anderes geworden wäre, wenn meine Eltern mich Laura und nicht Christiane genannt hätten ;-) - , bekommen meine Figuren alle erst einmal Namen aus dem Familien- und Freundeskreis, die ich in einer Datei sammele. Ganz zum Schluss, wenn der Erstentwurf des Manuskripts fertig ist, beginne ich nach passenden Namen zu suchen, was oft gar nicht so einfach ist, weil der Name in die Zeit passen sollte, in der die Geschichte spielt, und mir gefallen sollte. Ideal ist es, wenn er darüber hinaus noch eine Bedeutung hat, die zu der Figur passt.
Die Namen suche ich auch deshalb erst am Ende, weil ich dazu neige, mich in Recherche zu verzetteln und von Hölzchen auf Stöckchen zu kommen, wenn ich erst einmal anfange zu suchen, weil man so spannende Internetseiten oder Bücher findet, wenn man eigentlich nur einen Namen sucht. Und es ist manchmal schwierig, an Informationen zu gelangen. Für Deutschland gibt es die wunderbare Seite www.beliebte-vornamen.de, die ich sehr gerne nutze.
Schwieriger war es bei einem aktuellen Manuskript, das in Australien um 1900 spielt. Hier habe ich – nach langem Suchen - Gerichtsurteile und Schulakten gefunden, aus denen ich Namen entnehmen konnte – und war sehr enttäuscht, wie unkreativ die Eltern damals bei der Namensgebung waren.
Aber zurück zu Deiner Frage: erst der Charakter, dann der Name.
2. Schreiben Sie immer nur an einem Buch oder auch mal an zwei Büchern gleichzeitig?
Ich schreibe an einem „Hauptbuch“, dem ich die meiste Zeit widme, aber daneben sammele ich Ideen für weitere Geschichten oder schreibe Szenen, wenn mir etwas einfällt.
Vor zwei Jahren habe ich zwei Bücher parallel geschrieben, weil die Abgabetermine sehr nahe beieinander lagen: „Weihnachtspunsch & Weihnachtskater“ und „Im Land der Kaffeeblüten“. Das ging gut, weil die beiden Bücher sehr unterschiedliche Themen und Zielgruppen hatten. Wenn ich ähnliche Geschichten parallel schreiben würde, fürchte ich, dass ich mich selbst plagiieren würde ;-).
3. Haben Sie zuerst etwas anderes gelernt/studiert oder war Ihnen von Anfang an klar: Ich werde Autorin?
Ich habe Sozialwissenschaften studiert und arbeite heute auch noch als Sozialwissenschaftlerin, was mir Spaß macht. Wenn du mich vor zwanzig oder dreißig Jahren gefragt hättest, ob ich Autorin werden möchte, hätte ich geantwortet: „Möchten schon, aber schreiben – das können doch nur Genies.“
Ich habe immer viel und gerne gelesen und hatte einen Heidenrespekt [woher kommt das Wort eigentlich – das muss ich mal recherchieren!] vor Menschen, die Bücher schreiben. Wissenschaftlich habe ich viel veröffentlicht, aber das ist eine ganz andere Art des Schreibens.
Erst um das Jahr 2000 herum habe ich mich mit dem Handwerk des Schreibens beschäftigt und gewagt, den Beruf „Autorin“ als Ziel für mich ins Auge zu fassen. Jetzt frage ich mich, warum ich nicht schon viel früher begonnen habe … manchmal bin ich halt etwas langsam ;-))!
4. Wie wichtig sind für Sie die Namen der Protagonisten, wenn Sie ein Buch anderer Autoren lesen?
Hmm, über die Frage musste ich nachdenken. An und für sich sind mir die Namen egal, solange sie einigermaßen in die Zeit passen. Ein Mittelalter-Roman, der in Deutschland spielt und dessen Hauptfigur Kevin heißt, würde mich irritieren. Und es passiert immer wieder einmal, dass Figuren wie Menschen heißen, die nicht gerade weit oben auf meiner Lieblingsliste stehen, aber das stört mich nur kurz.
Ach ja, was ich gar nicht leiden kann, sind Figuren, die ähnlich heißen, so dass ich als schnell-und-flüchtig-Leserin immer wieder durcheinander komme, wer denn nun wer ist.
5. Wie werden Sie zu Ihren Romanen inspiriert?
Das ist ganz unterschiedlich.
Ich lese vier Tageszeitungen und sammele Meldungen, die mich aus irgendeinem Grund ansprechen: das können tragische Erlebnisse, Familiengeschichten, Morde oder politische Themen sein. Hauptsache, die Stimme in meinem Hinterkopf sagt: „guck mal, spannend.“
Das ist die Initialzündung ;-). Um die Geschichte weiter zu bearbeiten, brauche ich mindestens eine Figur, die ich mag und über die ich mehr erfahren möchte. Wenn die Grundidee noch so spannend und originell ist, solange mir keine Figuren einfallen, kann ich sie nicht schreiben.
Beim Schreiben selbst hilft die Recherche, die mich immer wieder auf Ideen bringt oder der Geschichte eine neue Richtung gibt. Und nichts ist schöner, als etwas zu finden, was wunderbar passt, wie das Ende von „Das Haus auf der Blumeninsel“.
Vielen Dank Christiane Lind für die Antworten und ihre Offenheit!
Liebe Grüsse, Emma  

Kommentare:

  1. Wow das ist ja sehr nett und die Autorin kannte ich noch gar nicht! Das Interview habe ich sogar bis zum Schluss gelesen, sehr interessante Fragen und Antworten!

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    1. Danke, Jeanette! Schön, dass du die Fraagen magst! :)

      Liebste Grüsse, Emma

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  2. Das ist ein tolles Interview !! :-)

    Liebe Grüße Jane :*

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  3. Schöner Blog, tolle Bilder. Bist eine ganz hübsche :) Was hälst du von gegenseitigem Folgen?
    schau gerne mal vorbei :)

    http://lovehearthug.blogspot.com/

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  4. Finde ich ja klasse dass ihr im Kontakt steht und du dieses Interview machen konntest. Klasse gemacht und wirklich ein schönes Interview. Mir sagt die Autorin auch noch nichts, und ich werde mir ihren Namen mal merken und schauen ob ich direkt vor Ort etwas bekommen kann.

    Könnte mir auch gut vorstellen dass du, die auch soviel liest, ebenfalls mal in die Richtung Schriftstellerin gehen wirst ;-)

    Liebe Wochenendgrüsse

    Nova

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  5. Wow! Was für eine tolle Chance. Das Interview ist echt klasse!!

    Liebe Grüße,
    *Jamie*

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  6. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  7. Danke :)
    Und echt tolles Interview :)

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  8. ui, toll dass ihr so in kontakt seit und du das interview machen konntest! sehr interessant! Und auch wirklich interessante fragen!

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